Föhn

Föhn – Entstehung

MUN-BOL (3)

Bevor wir zur Deutung des Diagramms kommen, ist zunächst wichtig zu klären, was Föhn überhaupt ist und wie er entsteht.

Die offizielle Definition des Föhns (genauer: der Föhnwinde) der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) lautet:

Ein Föhn ist in der Regel ein Wind auf der Leeseite eines Gebirges, der beim Abstieg eine Erwärmung und Trocknung erfährt. Die treibende Kraft sind entweder synoptische Strömungen oder ein Druckgradient über dem Gebirge, aber keine katabatischen Effekte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ganze ist es jetzt natürlich fachchinesisch – anders kann man es von einer offiziellen Organisation ja nicht erwarten ;)

Fangen mir mal an, das Zitat zu “übersetzen”.

Ein Föhn ist in der Regel ein Wind auf der Leeseite eines Gebirges, der beim Abstieg eine Erwärmung und Trocknung erfährt.

 

 

 

 

 

 

Das lässt sich am besten mit Hilfe einer kleinen Grafik erklären:

föhn12

 

Bei Schritt 1 und 2 passiert folgendes:

Feuchte Luftpaktete in Italien ziehen nach Norden und treffen auf die Alpen, welche ein Hindernis darstellen, weshalb die Luft nach oben ausweichen muss, also aufsteigt. Hierbei kühlt die Luft um 1°C pro 100m ab (trockenadiabatische Abkühlung). Erreicht die Luft nun das Kondensationsniveau, kondensiert sie, steigt weiter auf (kühlt aber nur mehr mit 0,6°C pro 100m ab – feuchtadiabatische Abkühlung)  und bildet Nimbostratuswolken – es kommt zu so genannten Stauniederschlägen, die man sich in etwa so vorstellen kann als wenn ein feuchter Schwamm gegen eine Wand geworfen wird und Feuchtigkeit verliert. Teilweise können da ordentliche Niederschlagssummen zusammen kommen, so dass nach Föhnereignissen bereits öfters Hochwasser in Norditalien gemeldet wurden.

Nun passiert folgendes: auf der Alpensüdseite entsteht ein Luvhoch, auf der Alpennordseite ein Leetief, wodurch ein Druckgefälle entsteht. Das Leetief  “zapft” , um das Druckgefälle auszugleichen, Luft aus höheren Luftschichten an, die dann die Berghänge herbabfällt (daher der Name Fallwind) und sich als trockener, milder Föhn bemerkbar macht.

Das war der 1. Streich, der 2. folgt zugleich ;)

Die treibende Kraft sind entweder synoptische Strömungen oder ein Druckgradient über dem Gebirge, aber keine katabatischen Effekte.

 

 

 

 

 

 

 

Und das ist jetzt schon ein wenig komplizierter.

Die treibende Kraft ist nichts anderes als der Auslöser des Föhns  – und da gibt es zweierlei:

Zunächst gibt es da die synoptische Strömung, die

  • nichts anderes als eine bestimmte Wetterlage ist, die als Auslöser für den Föhnwind fungiert.  Beispielsweise gibt es den Föhn auf der Alpennordseite nur, wenn die Luft die Alpen von Süden nach Norden überströmt.

und den (Luft-)Druckgradienten, den man am besten an einem Beispiel erklärt. ;)

 

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Der interessierte Wetterlaie erkennt hier schon, wo es am Tag des Heiligabends die Christbäume durch die Gegend schleudern wird.

Nordwestlich von Großbritannien zieht ein Tief seine Bahnen, welches einen unglaublichen Kerndruck von 930 hPa beträgt. Das selbst macht aber in diesem Fall noch keinen Orkan  aus, der Orkan wird von dem Luftdruckgradienten verursacht. Je dichter diese weißen Linien (Isobaren) gedrängt sind (Isobarendrängung), desto stärker wird der Wind wehen.

Diese  Darstellung gibt es eben nicht nur in Kartenform, sondern auch in Balkendiagrammen – und davon haben wir eines ganz am Anfang des Blogartikels gesehen.

Ich linke es nochmal:

Klick!

Auch hier gilt: je weiter weg die Balken von “0” sind, desto stärker wird der Föhnwind. Und für die Strecke Garmisch – Partenkirchen Bozen beträgt der Druckgradient gute 11 hPa (andere Modelle gehen sogar von 16 hPa aus), was dann eben zu strammem Südföhn führt und eventuell sogar Orkanböen verursacht.

©Sebastian Göhring

Quellen:

Pressure Difference Garmisch – Bozen: mswetter.com

Wetterkarte 24.12 06Z: wetter3.de